Nach den Vorstellungen der Bundesnetzagentur sollte die Migration von Kupfer auf Glas unter bestimmten Voraussetzungen bereits ab einer Glasfaserquote von 80 Prozent möglich sein. So steht es im Konzeptvorschlag, den die Regulierungsbehörde jetzt zum Wechsel von Kupfer- auf Glasfasernetze veröffentlicht. Darin schlägt die BNetzA vor, dass die Abschaltung eingeleitet werden kann, wenn in einem Gebiet in mindestens 80 Prozent der Haushalte Glasfaser in der Wohnung liegt (FTTH) und das Netz von mehreren Anbietern genutzt werden kann (Open Access).
Zurecht geht die BNetzA davon aus, dass eine 100-prozentige Abdeckung unrealistisch ist, und es wegen des zunehmend leistungsfähigen Mobilfunks auch niemals die entsprechende Nachfrage geben wird. Von derselben Annahme war die Regionalpolitik geleitet, als sie im Jahr 2017 das regionale Ausbauziel von 90 Prozent Haushaltsabdeckung mit Glasfaser bis 2030 formuliert hat. Hinzu kommt, dass bekanntlich die letzten zehn Prozent stets die teuersten sind.
Für das regionale Gigabitprogramm bedeutet dies, dass wir unseren Schwerpunkt darauf legen, die 90 Prozent so rasch wie möglich in möglichst vielen Kommunen zu erreichen. Dieses Ziel für 20230 haben inzwischen über 40 Städte und Gemeinden in der Region Stuttgart bereits heute geschafft.
Die Migrationspläne der BNetzA fügen sich ein in das Konzept der EU-Kommission, die jetzt ihren „Digital Networks Act“ (DNA) vorgestellt hat, der die Weichen für den europäischen Telekommunikationsmarkt in den kommenden Jahren stellen soll. Ziel ist es, die Festnetz- und Mobilfunkkommunikation einheitlicher, unbürokratischer und europäischer zu machen, um mehr Dynamik in der Branche zu erhalten.
Bei der Entwicklung des kommenden 6G-Mobilfunk-Standards will die Kommission verhindern, dass Europa, wie bei 5G geschehen, erneut ins Hintertreffen gerät. Darum soll die Vergabe von Frequenzen an Mobilfunkanbieter vereinheitlicht werden. Zudem sollen die Frequenzen nicht mehr auf Zeit, sondern unbefristet vergeben werden, damit die Netzbetreiber mehr Planungs- und Investitionssicherheit erhalten. Durch unser regionales Kooperationsprogramm mit der Telekom, die als größtes europäisches Telekommunikationsunternehmen in allen nationalen und internationalen Gremien an führender Stelle vertreten ist, kann die Region Stuttgart frühzeitig an den neuesten Entwicklungen bei 6G partizipieren.
Beide Konzeptpapiere werden jetzt im politischen Prozess ausgiebig diskutiert. Bis spätestens 2035 sollen in allen Mitgliedstaaten die Kupfernetze abgeschaltet sein. In diesen Prozess können wir zum Wohl der Region unser Know-how einbringen, das wir während der bisherigen Arbeit von GRS, Landeshauptstadt und Kreisbreitband-Zweckverbänden erworben haben – zunächst konzeptionell, später auch operativ.